Auf der Zielgeraden rettet sich der ESC Haßfurt ins entscheidende dritte Spiel. Nach der ersten Niederlage im Halbfinale der Aufstiegsrunde gewinnt das Team auf den letzten Drücker.
 


Um 22 Uhr am Freitagabend stand fest: Eine Aufstiegsfeier wird es zwei Tage später im Haßfurter Eisstadion am Großen Anger nicht geben. Dafür hätten die Hawks des ESC Haßfurt das erste Halbfinalspiel beim SC Reichersbeuern in der Eishockey-Landesliga-Aufstiegsrunde gewinnen müssen, um dann im Rückspiel nachzulegen. Die Kreisstädter verloren jedoch die Partie, die im Bad Tölzer Eisstadion ausgetragen wurde, mit 3:5.

Zumindest aber ist der große Traum vom zweiten Bayernliga-Aufstieg nach 2013 noch am Leben, denn am Sonntagabend gingen sie diesmal als Sieger vom Eis. Mit 3:2 entschieden sie das Spiel im Penaltyschießen für sich. Damit fällt die endgültige Entscheidung nun am Freitag, wenn sich beide Kontrahenten erneut in Bad Tölz gegenüberstehen. Tatsache ist, dass für die Hawks bereits am Freitag mehr drin gewesen wäre. Immerhin gelang es ihnen, einen 0:2-Rückstand – die beiden Treffer für Reichersbeuern fielen jeweils in Überzahl (3., 13.), nachdem Haßfurter Spieler acht der ersten zwölf Minuten auf der Strafbank verbringen mussten – im zweiten Abschnitt zu drehen.

Der ESC kämpft sich zurück

Erst schafften Lukas Kratschmer (25.) sowie Jakub Sramek (32.), ebenfalls bei numerischer Überlegenheit, den Anschluss sowie den Ausgleich. Und als dann Tomas Pribyl eine 5-3-Überzahlsituation wenig später mit der erstmaligen Führung abschloss (34.), schien sich das Blatt zugunsten der Gäste gewendet zu haben.

Sehr zur Freude der 120 mitgereisten ESC-Fans unter den 429 Zuschauerinnen und Zuschauern. "Da war scheinbar der Knoten ein wenig geplatzt", war nicht nur ESC-Kapitän Christian Dietrich zu diesem Zeitpunkt voller Hoffnung hinsichtlich eines weiteren positiven Verlaufs. Diese Hoffnung zerschlug sich aber zusehends.

Nachdem Jakub Sramek aufgrund einer Erkrankung ohnehin nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, sich aber dennoch in den Dienst der Mannschaft stellte, erfolgten weitere Schwächungen: Verteidiger Alexander Stahl verließ zwangsweise bereits Mitte des ersten Drittels aufgrund von Problemen mit seinen Schlittschuhen die Eisfläche und Lukas Kratschmer konnte ebenso wie Lucas Büchner nach genähten Platzwunden nur noch gehandicapt weiterspielen.

Hora muss nach Check vom Feld

Ganz hart traf es aber Abwehrchef Daniel Hora, der nach einem Check von Gegenspieler Johannes Fischer ganz das Eis verlassen musste (36.). Die Diagnose: Rippenbruch. Dass der Reichersbeuerer für seinen harten Einsatz eine fünfminütige Bankstrafe erhielt, tröstete niemanden im ESC-Lager. Für Haßfurts Nummer drei dürfte die Saison nach dieser Verletzung vorzeitig beendet sein.

Ob all diese Rückschläge in den letzten 20 Minuten eine vielleicht doch größere negative Rolle bei den Hawks spielten, bleibt dahingestellt. Sie schafften es aufgrund von notwendigen Umstellungen der Reihen und Unstimmigkeiten bei den einzelnen Wechseln jedenfalls nicht mehr, an die zuvor gezeigte Leistung anzuknüpfen. Stattdessen gelang Peter Fischer in der 48. Minute der 3:3-Ausgleich für den SC, während Alexander Nicolaus knapp fünf Minuten vor der Schlusssirene die 4:3-Führung erzielte (55.).

Gegenstände fliegen Richtung Eisfläche

Eine Haßfurter Auszeit sowie die anschließende Herausnahme von Torwart Nicolas Hetzel für einen weiteren Feldspieler brachten nicht mehr den gewünschten Effekt. Im Gegenteil: Maximilian Hirschberger markierte mit einem Schuss ins verwaiste ESC-Gehäuse 25 Sekunden vor dem Ende den 5:3-Endstand. Scheinbar wurde unmittelbar zuvor ein Haßfurter Spieler noch gefoult, denn die Fans der "Rot-Weißen" zeigten sich sehr lautstark und aufgebracht.

Und nachdem sogar einige Gegenstände Richtung Eisfläche flogen und dabei möglicherweise einen Mitarbeiter in der Sprecherkabine trafen, unterbrach Hauptschiedsrichter Alain Kretschmer, der das vermeintliche Vergehen möglicherweise nicht gesehen hat, die Partie für insgesamt zehn Minuten, um die aufgeheizte Atmosphäre auf den Rängen zu beruhigen.

Revanche auf den letzten Drücker

"Wir haben Reichersbeuern leider wieder in Spiel kommen lassen", ärgerte sich Dietrich über die verpasste große Chance, die zwischenzeitlich erkämpfte 3:2-Führung nicht weiter auszubauen. "Letztendlich hat Reichersbeuern verdient gewonnen", zeigte sich Andreas Kurz als zwar enttäuschter, aber sportlich fairer Verlierer. "Sie waren letztlich das eine Tor, das Empty-Net-Goal zähle ich nicht, besser als wir. Das muss man leider akzeptieren", so das für die erste Mannschaft zuständige Vorstandsmitglied.

Im Rückspiel geriet der ESC in der eigenen Eishalle erneut schnell in Rückstand, doch Dominik Tobola und Jan Trübenekr drehten die umkämpfte Partie zunächst, die bis zum 2:2 am Ende stets spannend blieb, aber nicht gerade hochklassig war. Es ging also in eine zehnminütige Verlängerung – ohne weiteren Treffer. Das Penaltyschießen entschied der ESC für sich, Kratschmer und Trübenekr trafen, während Reichersbeuern bei einem Penalty-Erfolg blieb. "Das war ein reines Kampfspiel", erklärte der Haßfurter Teamchef Martin Reichert hernach, der einen "großen Kampf am Freitag" erwartet. "Heute hat die glücklichere Mannschaft gewonnen."

 

 


Die Statistik der Spiele

Eishockey, Landesliga-Aufstiegsrunde der Männer, Halbfinale

SC Reichersbeuern – ESC Haßfurt 5:3 (2:0, 0:3, 3:0)

Haßfurt: Hetzel, Feitl – Hora, Thebus, Stahl, Pribyl, Finzel, Marx, Endres, Hertwich – Stach, Sramek, Trübenekr, Büchner, Krein, Dietrich, Tobola, Zürcher, Kratschmer.

Tore: 1:0 (3.) Tobias Reiter (5-4), 2:0 (13.) Johannes Fischer (Michael Hölzl 5-4), 2:1 (25.) Lukas Kratschmer (4-5), 2:2 (32.) Jakub Sramek (4-5), 2:3 (34.) Tomas Pribyl (Daniel Hora 3-5), 3:3 (48.) Peter Fischer, 4:3 (55.) Alexander Nicolaus, 5:3 (60.) Maximilian Hirschberger (Empty-Net-Goal). Strafminuten: 15/14. Hauptschiedsrichter: Alain Kretschmer. Zuschauer: 429 (120 aus Haßfurt).

ESC Haßfurt – SC Reichersbeuern 3:2 n. P. (1:1, 1:1, 0:0)

Haßfurt: Hetzel, Jung – Thebus, Stahl, Müller, Pribyl, Finzel, Marx, Hertwich, Endres – Stach, Sramek, Trübenekr, Büchner, Krein, Dietrich, Tobola, Zürcher, Kratschmer.

Tore: 0:1 (4.) Paul Stauffert (Johannes Fischer, Tobias Reiter), 1:1 (10.) Dominik Tobola, 2:1 (26.) Jan Trübenekr (Jakub Sramek, Tomas Pribyl), 2:2 (29.) J. Fischer. Entscheidender Penalty: Trübenekr. Strafminuten: 10/18. Schiedsrichter: Philipp Sintenis (Laudenbach/Müller-Osten). Zuschauer: 672.