SC Reichersbeuern – ESC Haßfurt 5:1 (0:0, 4:1, 1:0)

„In Summe der drei Spiele haben sie den Aufstieg verdient geholt“. „Die waren einfach besser und fertig“. „Die haben verdient gewonnen.“ Sowohl Haßfurts Vorstandsmitglied Andreas Kurz, ESC-Fanclub-Vorsitzender Lukas Heinl sowie Hawks-Kapitän Christian Dietrich zogen ein eindeutiges Fazit: Der Sieg SC Reichersbeuern im entscheidenden Playoff-Halbfinale am Freitagabend, gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die Eishockeybayernliga, geht in Ordnung.

Und das sie wohl alle Recht haben, zeigt das deutliche Endergebnis: Mit 5:1 zwangen SCR-Kapitän Andreas Andrä ihre Haßfurter Kollegen in der Bad Tölzer Arena in die Knie, nachdem sie fünf Tage zuvor noch mit 3:2 nach einem Penaltykrimi unterlagen. Doch woran lag es, dass die Hawks, die durch einen Überzahltreffer von Tomas Pribyl nach einem völlig ausgeglichenen torlosen ersten Drittel in der 23. Minute sogar in Führung gingen, letztlich immer weiter ins Hintertreffen gelangten? Sicher nicht an mangelnder Unterstützung, denn die war einfach grandios. Knapp 240 mitgereiste Haßfurter Schlachtenbummler sorgten unter den knapp 1000 Zuschauern für eine tolle Atmosphäre, die einem Landesligafinale mehr als angemessen war. „Fünf Minuten Unkonzentriertheit“ waren für Christian Dietrich ausschlaggebend für den weiteren Verlauf. „Fünf Minuten, in denen wir nach der Führung vielleicht auch dachten, das Spiel fahren wir jetzt locker nach Hause.“ Es kam jedoch anders. Die Hausherren hatten nach dem Rückstand in der insgesamt fairen Partie schnell gleich mehrere passende Antworten parat hatten: Johannes Fischer (26.), Florian Barein (28.) Tobias Reiter (30.) sowie Maximilian Hirschberger (37.) drehten die Partie mit teils sehenswerten Toren bis zur zweiten Pausensirene vollends in ihre Richtung und hatten bis zu diesem Zeitpunkt die Aufstiegstür für sich und ihre Teamkollegen bereits weit geöffnet. Zählbares passierte dann lange Zeit nicht mehr, ehe erneut Tobias Reiter 67 Sekunden vor dem Ende den 5:1-Endstand erzielte. Dass Timo Zürcher ebenso krank verzichten musste wie Lucas-Andreas Thebus und dazu viele Haßfurter Spieler angeschlagen waren, war nicht mehr zu kompensieren. „Die Mannschaft hat wirklich gekämpft und alles rausgeholt, was noch im Akku drin war. Uns haben heute einfach ein paar Körner gefehlt“, verwies Vorstandsmitglied Andreas Kurz auf die bereits mangelhafte Vorbereitung. „Leider waren wir schon unter der Woche beim Training sehr dezimiert“, sagte er. Viele kranke und angeschlagene Spieler hätten sich weiter auskurieren müssen, um überhaupt mitspielen zu können. „70, 80 Prozent von der Mannschaft heute Abend waren nicht wirklich im Vollbesitz ihr Kräfte“, ergänzte Christian Dietrich. Mit dieser Feststellung wollte er ebenso wie Andreas Kurz freilich nichts entschuldigen, schließlich haben sich die Kreisstädter über weite Strecken „sehr gut“ geschlagen. „Reichersbeuern war einfach clever, stark. Das muss man neidlos anerkennen“, gratulierte Kurz.

Verständlich, dass unmittelbar nach der Niederlage die Stimmung bei allen ESC-Beteiligten am Boden war. Immerhin war die Chance auf den zweiten Bayernligaaufstieg nach neun Jahren so groß wie lange nicht. Mit einem Tag Abstand spricht Dietrich allerdings von einer „geilen Saison. Grundsätzlich hätte doch keiner gedacht, dass wir mit unserem ausgedünnten Kader so weit kommen“, so der 30-jährige Spielführer, der nach dem ersten Haßfurter Aufstieg 2013 aus Amberg zum damaligen neuen Bayernligisten wechselte. Die Mannschaft habe sich nie unterkriegen lassen. Weder durch den Abgang von Trainer Zdenek Vanc kurz vor Saisonbeginn noch durch Corona und die dadurch bedingten personellen Ausfälle oder den Spielverlegungen. Das erste Ziel, Erreichen der Aufstiegsrunde, sei letztlich souverän erreicht worden. Für die erste Zugabe, Erreichen des Playoff-Halbfinales, habe die  zusammengeschweißte Mannschaft seiner Meinung nach auch das notwendige Glück mitgespielt. Vor allem bei den hart umkämpften und sehr engen Partien in Dingolfing, Pegnitz oder in Moosburg. „Da sind wir auch auf einer Euphoriewelle mitgeschwommen“, sagt er und bedankt sich vor allem bei einem weiteren Mitspieler: „Nicolas Hetzel war ganz klar unser Rückhalt, in meinen Augen der beste Torwart der Liga. Das i-Tüpelchen ist seiner Meinung nicht erreicht worden, weil vor allem die Leistungsträger innerhalb der Mannschaft („wir haben einerseits Teamplayer in der Mannschaft, andererseits Leistungsträger“) am Ende aufgrund von Verletzungen und Krankheiten „nicht bei 100 Prozent“ waren. „Das war der Knackpunkt für mich. Und der hat schon angefangen bei unserer 3:6-Niederlage gegen Pegnitz. Das hat uns irgendwie einen Schlag gegeben.“

Nicht nur, weil die Kreisstädter noch auf den zweiten Platz rutschten und gleichzeitig das Heimrecht im ersten Halbfinale abgeben mussten. Ob es letztlich anders gelaufen wäre, hätte Haßfurt gegen den EV Germering zuerst vor heimischen Fans gespielt, bleibe aber Spekulation. „Vielleicht“, so Dietrich, „war der Druck doch ein bisschen zu groß. Vielleicht hat uns auch das Quäntchen Glück wieder verlassen.“

Gegen einen Vorwurf wehrt sich der junge Familienvater allerdings vehement: „Wir haben mit Sicherheit nicht absichtlich verloren. Wir haben bis zum Schluss alles versucht“, weist er Verdächtigungen einzelner Fans von sich, dass der Aufstieg am Ende nicht mehr das Ziel gewesen sei. „Das stimmt von hinten und vorne nicht. Die ganze Mannschaft wollte für den Verein aufsteigen. Die Leute hätten gerne zum Training kommen können und hätten dann gesehen, dass zuletzt fast keine Spieler mehr auf dem Eis standen, weil sie mit Fieber zu Hause lagen oder Verletzungen auskurieren mussten, um am Freitag überhaupt dabei sein zu können. Wir hatten in Reichersbeuern Spieler dabei, die hätten eigentlich gar nicht spielen dürfen.“

 

Statistik des Spiels

ESC Haßfurt: Hetzel, Jung – Müller, Stahl, Pribyl, Finzel, Marx, Endres, Hertwich – Stach, Sramek, Trübenekr, Büchner, Krein, Dietrich, Tobola, Kratschmer. Tore: 0:1 (23.) Pribyl (Sramek, Trübenekr) 4-5, 1:1 (26.) J. Fischer (Friedl) 5-4, 2:1 (28.) Barein (P. Fischer, Hirschberger), 3:1 (30.) Reiter (P. Fischer), 4:1 (37.) Hirschberger (P. Fischer, Pfaff), 5:1 (59.) Reiter (P. Fischer). Strafzeiten: 12/10. Zuschauer: 959 (240 aus Haßfurt).