ESC Haßfurt – EV Dingolfing 8:3 (3:1, 2:2, 3:0)

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Es war sicher die Szene schlechthin in einem hochklassigen Spiel: Beim stand von 5:3 für die „Hawks“, musste Marco Sedlar einige Meter frei vor dem Haßfurter Gehäuse die Scheibe eigentlich nur noch einschieben, um den Anschluss seiner „Isar Rats“ wieder herzustellen und die Spannung weiter zu erhöhen. Doch der ehemalige DEL2-Profi des EV Landshut hatte die Rechnung ohne ESC-Verteidiger Lucas-Andreas Thebus gemacht.

Der 25-Jährige, optisch nicht gerade ein Abwehrspieler mit „Gardemaß“, quetschte sich von hinten förmlich vor den ein Jahr älteren Stürmer des EV Dingolfing und behinderte ihn so, dass er seinen Schläger nicht mehr richtig nach vorne bekam. Großer Beifall kam von der Haßfurter Ersatzbank und den Teamkollegen auf dem Eis. Dass Thebus, der vor sechs Jahren von der damals in der DNL2 spielenden U18-Nachwuchsabteilung des ES Weißwasser in die Kreisstadt wechselte, nach der spektakulären Rettungstat ebenso zu Boden ging und nach einer kurzen Rutschpartie erst an die Bande krachte und sich dabei leicht verletzte, war nach der Schlusssirene längst vergessen. „Für den Sieg opfert man schon mal ein bisschen Schmerzen“, grinste Thebus nach dem völlig überraschenden 8:3-Erfolg gegen die Niederbayern. „Wir müssen einfach als Team arbeiten“, sagte er. „Wir sind aktuell wenig Leute, da muss Jeder sich den Allerwertesten aufreißen für den Anderen. Und das muss man in jeder Szene sehen.“ Er sei einfach „zurückgerannt“ und habe „den Punk aus dem Tor geholt hat, bevor er drin ist“, sagte er zwar völlig ausgepowert, aber sichtlich zufrieden.

Neben Thebus zeigten auch alle anderen einsatzfähigen und aufgrund der 2G-Plus-Regel im Stadion am Großen Anger spielberechtigten „Hawks“ eine unglaubliche Moral, verbunden mit unbändigen Willen und einem für alle der 202 Zuschauer auf den Rängen sichtbaren „Wir“-Gefühl. Die schnelle Führung der hochkarätig besetzten und nach dem 8:2-Hinspielsieg favorisierten Niederbayern durch Dominik Schindlbeck (4.), war jedenfalls nicht der befürchtete Anfang vom Ende. Im Gegenteil: die diesmal von Oliver Kratschmer auf der Bank betreuten Hausherren, bei denen sogar die Nachwuchsspieler Noah Endres (U20) sowie Thiago Schmauser (U17) zum Einsatz kamen, ließen sich nicht aus ihrem kämpferischen Konzept bringen. Als sie nach Treffern der drei verbliebenen tschechischen Kontingentspieler Dominik Tobola, Jan Trübenekr und Tomas Pribyl (6./15./20.) am Ende des ersten Drittels mit 3:1 führten, war der unbedingte Siegeswille schon bestens zu erkennen. Und nach einem ausgeglichenen 2:2-Mittelabschnitt glaubten dann Viele an einen weiteren Heimsieg. Weil die „Hawks“, bei denen Schlussmann Nicolas Hetzel mit teils spektakulären Paraden die „Isar Rats“ schier zur Verzweiflung brachte, auch während der letzten 20 Minuten noch drei Mal ins Schwarze trafen (die Torschützen waren Dominik Tobola, Lukas Kratschmer und Michael Stach), während die Gäste mit ihren Chancen immer wieder scheiterten, glich das Stadion auch dank der „oh wie ist das Schön“-Gesänge einem Tollhaus.

„Wir wussten natürlich, dass es hart wird. Aber wir glauben immer, dass wir gewinnen können“, strahlte Luca-Andreas Thebus und fügte hinzu: „Wir sind trotzdem noch stark genug, um Jeden schlagen zu können.“ Einzelspieler würden oftmals den Unterschied machen, aber „die Mannschaft ist am Wichtigsten.“ Auch ESC-Betreuer Thomas Heinisch bezeichnete die abgelieferte Leistung als „überragend. Das sind lauter junge Kerle im Vergleich mit den Stars der Dingolfinger. Wahnsinn. Kampf pur von Jedem. Einfach top“, lautete sein Fazit.

 

Statistik des Spiels

ESC Haßfurt: Hetzel, Feitl – Thebus, Müller, Pribyl, Finzel, Marx, Hertwich, Endres – Stach, Trübenekr, Dietrich, Tobola, Kratschmer, Schmauser. Tore: 0:1 (4.) Schindlbeck, 1:1 (6.) Tobola (Kratschmer), 2:1 (15.) Trübenekr (Stach), 3:1 (20.) Pribyl (Hetzel) 5-3, 4:1 (24.) Finzel (Tobola), 4:2 (28.) Detterer (Hanzen, Sedlar) 4-5, 5:2 (31.) Stach (Trübenekr, Tobola), 5:3 (36.) Detterer, 6:3 (48.) Tobola (Trübenekr), 7:3 (52.) Kratschmer (Tobola), 8:3 (57.) Stach (Trübenekr, Pribyl). Strafzeiten: 12/14. Schiedsrichter: Wittmann (Feist/Müller-Osten). Zuschauer: 202.